Normale Menschen [Rezension]

Normale Menschen
Sally Rooney
Luchterhand
Leseprobe
[Seiten: 320 || Preis: 20,00 €]

WERBUNG | Dieses Buch wurde mir vom Luchterhand Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Zum Inhalt: Die Geschichte einer intensiven Liebe: Connell und Marianne wachsen in derselben Kleinstadt im Westen Irlands auf, aber das ist auch schon alles, was sie gemein haben. In der Schule ist Connell beliebt, der Star der Fußballmannschaft, Marianne die komische Außenseiterin. Doch als die beiden miteinander reden, geschieht etwas mit ihnen, das ihr Leben verändert. Und auch später, an der Universität in Dublin, werden sie, obwohl sie versuchen, einander fern zu bleiben, immer wieder magnetisch, unwiderstehlich voneinander angezogen. Eine Geschichte über Faszination und Freundschaft, über Sex und Macht.

Dieses Buch war eine harte Nuss. Seitdem ich die letzte Seite gelesen habe, bin ich am Rätseln, wie ich die Geschichte bewerten soll. Ehrlich gesagt habe ich mir unter Normale Menschen ein bisschen was anderes vorgestellt. Ich dachte an sowas wie eine Coming-of-Age-Geschichte in irischer Kulisse mit etwas Uni-Flair und einer guten Portion Drama. Bekommen habe ich 320 Seiten brutale Ehrlichkeit, zwei schwer durchschaubare Charaktere und jede Menge (Wachstums)schmerz.

Ich habe das Buch geradezu verschlungen und trotzdem blieb ich mit einem unbefriedigten Gefühl zurück. Alles ist so intensiv, dass ich den roten Faden zwischendurch komplett aus den Augen verloren habe und nicht mehr wusste, worauf die Autorin eigentlich hinauswill. Trotzdem hatte ich bis zum Schluss die Hoffnung, dass sich die vielen Fragmente der Geschichte zu einem Ganzen zusammensetzen. Mit mäßigem Erfolg.

Trotz der gewichtigen Worte und tiefgründigen Dialoge blieben mir die Hauptcharaktere Marianne und Connell fremd. Ihre gegenseitige Anziehung und Abstoßung war für mich nur in Teilen nachvollziehbar. Die Handlung rund um die beiden springt immer wieder von Woche zu Woche oder Monat zu Monat und gefühlt ist dabei ein großes Stück ihrer gemeinsamen Geschichte auf der Strecke geblieben. Schon der Ursprung dieser emotionalen On-Off-Beziehung war für mich nicht ganz nachvollziehbar und die Geschwindigkeit, mit der sich die innige Verbindung zwischen den beiden entwickelt, passt nicht dazu. Ich konnte diese Dynamik einfach nicht fühlen.

Auf der anderen Seite faszinierten mich Mariannes und Connells Gegensätze. Normale Menschen – der Titel des Buches spiegelt sich in unzähligen großen und kleinen Szenen wider. Was bedeutet normal? Wer definiert normal? Sind nur vermeintlich normale Menschen glücklich? Von der Schule bis zur Uni ecken die beiden immer wieder an und entwickeln sich gleichzeitig in unterschiedliche Richtungen weiter. Die Autorin konstruiert keine Figuren, die jedem gefallen – stattdessen setzt sie auf facettenreiche echte Charaktere, deren Fehler und Kanten aus dem Leben gegriffen sind.

So authentisch und ehrlich ich die Geschichte empfunden habe, für mich war sie trotzdem zu intensiv. Alles kreist um Marianne und Connell, deren Eiertanz mich mitunter viele Nerven gekostet hat. Das Geschehen konzentriert sich so sehr auf diese beiden Figuren, dass man am Ende schon fast froh ist, wenn es vorbei ist. In jedem Fall ein außergewöhnliches Buch, dass perfekt ist für alle, die gerne über komplexe zwischenmenschliche Beziehungen fernab klassischer Liebesgeschichten lesen.

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