3 Gründe, „Götterfunke – Liebe mich nicht“ nicht zu lesen

Götterfunke Liebe mich nicht
Marah Woolf
Dressler Verlag
[Seiten: 464 | Preis: 18,99 €]

Zum Inhalt: Zusammen mit ihrer besten Freundin fährt Jess in ihren Ferien in ein Sommercamp. Bereits am ersten Abend lernt sie Cayden kennen, der sie vom ersten Moment an fasziniert. Schnell merkt sie, dass an Cayden uns seinen zwei anderen Freunden etwas faul ist. Ihre Nachforschungen führen sie direkt zur griechischen Mythologie.

Das mit Götterfunke war auch wieder so eine Blitzidee von mir. Als der erste Band letztes Jahr erschien, war ich neugierig, aber nach einigen negativen Rezensionen nahm ich von dem Buch wieder Abstand. Unterbewusst hatte ich die Sache aber wohl doch noch nicht abgehakt, denn vor einigen Wochen habe extra auf halbem Weg raus aus der Bibliothek noch einmal umgedreht, um mir das Buch doch auszuleihen. Völlig verschwendete Kalorien, denn:

1. Mythologie to go

Die griechische Mythologie hat mich schon in der Grundschule fasziniert. Götter und Helden, übernatürliche Gestalten, magische Gegenstände – all die Dinge, die mir im Zusammenhang mit der griechischen Mythologie sofort einfallen, greift Götterfunke zwar auf, übertreibt es aber direkt. Bereits nach 200 Seiten hat man einmal den kompletten Götterstammbaum abgearbeitet, die bekanntesten Sagen mindestens angeschnitten, allerlei Monster kennengelernt und äußerst sagenumwobene Gegenstände „zufällig“ herumstehen sehen. Die Autorin nimmt sich überhaupt keine Zeit, die ganze Mythologie gemächlich und mit etwas Fingerspitzengefühl auszurollen. Ich weiß gar nicht, was in den anderen beiden Bänden noch an griechischer Mythologie kommen soll, schließlich bleibt kaum noch etwas übrig. Nebenbei degradiert sie die Götter zu pubertären Teenagern und oberflächlichen Gestalten, die in meinen Augen kein bisschen Tiefgang haben. Natürlich sind sie alle mit ganz außergewöhnlichen Fähigkeiten gesegnet, die mal eben so alle nebenbei „diskret“ eingestreut werden. Aufgrund dieser mitunter völlig abwegigen und geballten Darstellungen der Mythologie konnte ich die Geschichte einfach nicht mehr ernst nehmen.

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2. Love sucks

Als wäre der vorherige Punkt nicht schon frustrierend genug, gab es natürlich auch eine klassische Bilderbuch-Insta-Love. Ich war wirklich schon lange nicht mehr so genervt. Die Protagonistin Jess vergisst im Laufe der Handlung komplett, wer sie ist, und sorgt ununterbrochen dafür, dass man sich fremdschämt. Natürlich gibt es bei ihrem Auserwählten Cayden einen Haken und so taucht man immer tiefer und tiefer in das Drama ein. Macht euch gefasst auf ein einzigartiges Auf und Ab der Gefühle, unzählige überflüssige Dialoge und ein Trauerspiel sondergleichen. Jess lässt sich von Cayden immer wieder vorführen, ohne einen Funken Verstand zurückzugewinnen. Sie scheint absolut keinen Stolz zu haben und nachdem ich mich die ersten Kapitel noch arg über sie aufgeregt habe, war sie mir am Ende komplett egal. Eigentlich war mir am Ende alles egal.

3. Selbst ist die Frau

Jess ist wegen Cayden nicht nur komplett verblendet, sie scheint auch urplötzlich nicht mehr ohne seine Hilfe leben zu können. Sie selbst sieht sich natürlich als unabhängige, starke Frau, die ganz allein auf sich aufpassen kann nur leider macht sie all ihre Entscheidungen komplett von Cayden abhängig und muss regelmäßig von ihm aufgefangen, gerettet oder beschützt werden. Nebenbei werden noch abgedroschene Floskeln wie Man muss als Mädchen auch mal selbst das Heft in die Hand nehmen eingestreut, die angesichts von Jess Leistungen nicht komischer sein könnten. Selbstachtung sucht man bei Jess vergebens und die Monologe, die sie ständig führt, um sich selbst zu versichern, Cayden nun endgültig zum Mond zu schießen, sind nach dem fünften Mal bereits unerträglich. Weil sich Jess ab der ersten Seite nonstop über Cayden definiert, ist sie am Ende auch nicht mehr als eine leere Hülle mit null Persönlichkeit.  Insgesamt alle Charaktere existieren scheinbar nur, um die Lovestory irgendwie voranzutreiben beziehungsweise auszuschmücken. Das kann einfach nicht gut gehen.

 

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12 Gedanken zu “3 Gründe, „Götterfunke – Liebe mich nicht“ nicht zu lesen

  1. Ahoi liebe Maren,

    vielen Dank für deine Meinung!! Ich habe das Buch noch auf dem SuB, aber jetzt so nach deinen Worten… zumal mich Jugendbücher generell momentan nicht so begeistern… Ich denke, ich werde das Buch wohl doch vertauschen, das klingt ja richtig nervig ^^ Diese unnötigen Lovestories, grrrrh. Fand ich bei Children of Blood and Bone auch so schlimm…

    Liebe Grüße, Mary <3
    marys-buecherwelten.blogspot.com

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Mary,

      ja, also mich konnte es leider gar nicht überzeugen. Wenn du es sowieso schon auf dem SuB hast, kannst du ja mal reinschnuppern, aber die Lovestory ist wirklich unterirdisch. :D

      Oh nein, wirklich!? „Children of Blood and Bone“ fandest du furchtbar? Das steht mit ganz oben auf meiner Wunschliste für diesen Monat. ^^

      Liebe Grüße ❤
      Maren

      Gefällt mir

      1. Ja schon, aber wäre voll die Zeitverschwendung, da lese ich lieber was richtig Gutes :D
        Und naja furchtbar ist übertrieben – ich fand CBB einfach nur mittelmäßig und unkreativ. Die eine Lovestory, die war aber tatsächlich furchtbar. Wenn du magst – am 27.06. geht meine Rezi online :)

        Liebe Grüße, Mary <3

        Gefällt 1 Person

  2. Hallo :)

    Bei mir liegt das Buch auch noch auf dem SuB. Da bin ja mal gespannt.
    Ich lese prinzipiell alles gerne was mit Mythologie und Göttern zu tun hat.

    „Glutnacht“ von Amanda Bouchet kann ich dir da sehr empfehlen :) Auf meiner Seite findet du auch eine spoilerfreie Rezi falls du mal reingucken magst :)

    Liebe Grüße,

    Donatha

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Donatha,

      ja, vielleicht kann es dich ja eher begeistern – viele lieben die Reihe ja sehr. :)

      „Glutnacht“ habe ich direkt nach „Götterfunke“ abgebrochen. Hat mir leider auch gar nicht gefallen. Ich hätte es so gerne gemocht. ^^

      Liebe Grüße
      Maren

      Gefällt 1 Person

  3. Hi Maren,

    ich liebe deine Ehrlichkeit! Die Bücher habe ich gerade wegen der griechischen Mythologie vor einiger Zeit auf die Wuli gepackt, aber ich hab jetzt schon öfter mitbekommen wie schade es ist, dass da einfach alles runtergerattert wurde und sich garnicht richtig damit befasst wurde.
    Schade, aber ich schätze vorerst werde ich mir die Bücher nicht genauer ansehen wollen.

    Ein Sehr schöner Beitrag von dir.

    Liebe Grüße, Stella

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Stella,

      gute Entscheidung, alles nur verschwendete Lesezeit! Ich hätte mich so über ein gutes Buch in dieser Richtung gefreut, aber dann bleibe ich doch lieber bei Percy Jackson. ^^

      Liebe Grüße
      Maren

      Gefällt mir

  4. Hey Maren,

    eine tolle und sehr nachvollziehbare Rezension. Ich verabscheue Insta-Love zu tiefst! Es ist einfach so anstrengend, genau so wie die gewollt starken Mädchen, die aber eben überhaupt keine sind :( finde ich immer sehr schade :/
    Auch das die Mythologie so lieblos eingestreut wird. Klingt auch ein bisschen nach Info-Dumping :(

    Liebe Grüße,
    Marion

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Marion,

      ja, Info-Dumping trifft es ziemlich gut! Die griechische Mythologie bietet so viele Möglichkeiten, aber nichts davon wurde authentisch eingebunden. Sehr frustrierend. Gerade wenn man „Percy Jackson“ oder „Das Lied des Achill“ kennt, ist das ein Unterschied zwischen Tag und Nacht.

      Liebe Grüße
      Maren

      Gefällt mir

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