Die Lügen des Locke Lamora [Rezension]

Die Lügen des Locke Lamora
Scott Lynch
Heyne Verlag
Leseprobe
[Seiten: 848 | Preis: 14,00 €]

Zum Inhalt: Locke Lamora mausert sich von jungen Jahren an zu einem waghalsigen, aber raffinierten Dieb, der zusammen mit seiner Bande den Adel des Herzogtums Camorr um viel Geld erleichtert. Eine Operation droht ihn allerdings zunehmend in beachtliche Schwierigkeiten zu bringen, denen Locke nicht wie sonst so einfach entwischen kann.

Ich kann mein Glück mit diesem Buch immer noch nicht fassen. War ich vor knapp zwei Wochen noch todunglücklich, weil der Dämonenzyklus von Peter V. Brett sein Ende fand, bin ich nun äußerst optimistisch gestimmt. Scott Lynch hat mir bewiesen, dass es noch so viele andere großartige Fantasybücher gibt – ich muss sie nur finden. Die Lügen des Locke Lamora ist der Auftakt zu einer umfangreichen Reihe, die momentan drei Bände umfasst. Band vier erscheint Ende des Jahres und insgesamt sind wohl sieben Bände geplant. Ihr könnt euch hier also auf eine längere Lesereise freuen.

Überzeugen konnte mich das Buch schlicht in allen Punkten. Es handelt sich um ein stimmiges Rundumpaket, das mit jeder Seite besser und besser wird. Während man die ersten 200 Seiten vor allem ein Gespür für das Setting und die Charaktere bekommt, spitzt sich die Geschichte mehr und mehr zu bis sie einem im letzten Drittel keine ruhige Minute mehr lässt.

Der Aufbau des Buches zeichnet sich dabei besonders dadurch aus, dass die Geschichte auf zwei Zeitebenen erzählt wird. Die meiste Zeit liegt der Schwerpunkt auf der Gegenwart, aber gerade am Anfang und dann auch immer wieder zwischendurch macht man kleine Exkurse in die Vergangenheit. Diese Rückblicke helfen einem vor allem dabei, den Protagonisten Locke, aber auch die anderen Figuren besser kennenzulernen. Hin und wieder dienen diese Unterbrechungen auch dazu, die Sitten und Gebräuche der Gesellschaft und die Geschichte der Stadt Camorr zu beleuchten.

Außerdem empfand ich es als unheimlich angenehm, wie einem der Schauplatz der Handlung nähergebracht wird. In den meisten Fantasybüchern wird man ja gerade am Anfang mit Fakten und Beschreibungen des Settings überschüttet. Scott Lynch hingegen bringt einem die Wasserstadt Camorr, die man sich als eine Art Venedig vorstellen kann, immer Stück für Stück näher, bis man sich langsam in ihr zurechtfindet und ihren Geheimnissen die Spur kommt. Dem Autor gelingt es einfach tadellos, einem die Atmosphäre und den Charakter der Stadt und der Bewohner zu vermitteln. Alle Sinne werden bedient und obwohl allein Camorr der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte bleibt, wird es nie langweilig. Leider gibt es in dem Buch keine Karte, was ich ein bisschen schade fand, denn manchmal hätte ich mir gerne Entfernungen und die Lage der vielen Stadtbezirke angeschaut.

Da das Buch lediglich den Auftakt zu einer großen Reihe darstellt, kann ich damit Leben, dass mir die Charaktere auch nach 800 Seiten noch das eine oder andere Rätsel aufgeben. Viele Fragen, die sich im Laufe der Handlung ergeben bleiben offen und bieten unendlich viele Möglichkeiten für die Folgebände. Doch auch wenn man Locke und seine Bande Diebe noch nicht ganz einordnen kann, wachsen sie einem doch rasch ans Herz. Die Gentleman-Ganoven, wie sie sich selbst nennen, verbindet eine tiefe Freundschaft und sie sind Locke gegenüber grenzenlos loyal. Locke ist als Charakter gerade deshalb auch so interessant, weil er alles andere als perfekt ist. Er macht Fehler und hat oft mehr Glück als Verstand, gleichzeitig kann man seinem Charme kaum wiederstehen.

Wenn ihr auf der Suche nach einer gehaltvollen Geschichte seid und euch eine umfangreiche Reihe keine Bauchschmerzen bereitet, solltet ihr Die Lügen des Locke Lamora auf eure Wunschliste setzen. Ich habe beim Lesen gelacht und geweint und bin mir sicher, dass diese Geschichte in den Folgebänden noch weiter über sich hinauswachsen wird.

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