Die Geschichte der getrennten Wege

Die Geschichte der getrennten Wege
Elena Ferrante
Gelesen von Eva Mattes
Der Hörverlag
[Spieldauer: 15 Stunden 7 Minuten || Preis: 24,99 €]

Dieses Hörbuch wurde mir vom Hörverlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

 Vorsicht! Bei dieser Rezension handelt es sich um einen dritten Teil! Wer die ersten beiden Bände noch nicht gelesen hat und nicht möchte, dass Informationen vorweggenommen werden, der sollte hier NICHT weiterlesen!

Zum Inhalt: Elena und Lila sind nun im Erwachsenenalter angekommen und sehen sich erneut mit diversen Problemen konfrontiert. Wer möchten sie sein? Wo wollen sie hin? Beide Frauen haben was das betrifft unterschiedliche Ansichten und gehen deshalb ihren eigenen Weg.

Und es geht weiter mit den zwei ungleichen Freundinnen, bei denen ich mich nicht entscheiden kann, ob ich sie bewundere oder verteufele. Wie immer glich das Hörbuch einer wilden Achterbahnfahrt, wenn ich auch sagen muss, dass der dritte Band für mich bis jetzt der schwächste ist.

Da sich das Hörbuch auf die Erwachsenenjahre konzentriert, habe ich gehofft, dass Elena ihre Eigenschaft, sich ständig von anderen Menschen komplett verunsichern zu lassen, endlich ablegt oder sich wenigstens nicht mehr wie ein Fähnchen im Wind dreht. Leider geschieht nichts dergleichen. Trotz allem, was sie bereits erreicht und durchgemacht hat, gerät sie ins Straucheln, sobald jemand mit ihren persönlichen Entscheidungen oder damit, wie sie ihr Leben lebt, nicht einverstanden ist. Es hat mich so unfassbar wütend gemacht, was sie sich mitunter wieder gefallen lässt, sodass ich die meiste Zeit einen ziemlichen Groll gegen sie gehegt habe. Ich habe das Gefühl, sie hat sich in gewissen Punkten überhaupt nicht verändert und ist noch immer das kleine Mädchen, das es jedem Recht machen möchte. Für mich ist das völlig unverständlich und dadurch war es, als würde man zusammen mit Elena in einer Zeitmaschine stecken und gar nicht vorankommen.

Dieses nicht Vorankommen betrifft vor allem auch die Freundschaft zu Lila. Ich dachte wirklich, gewisse Reibungspunkte würden der Vergangenheit angehören, schließlich hat man es mit erwachsenen Frauen zu tun, doch Pustekuchen. Die beiden spielen die gleichen Spiele, machen in meinen Augen die gleichen Fehler und stehen sich so nur selbst im Weg. Natürlich konnte man ihre Beziehung noch nie als einfach bezeichnen und ich mochte auch immer, dass Elena Ferrante eine Freundschaft zeichnet, die schonungslos ehrlich ist, aber der Bogen wird irgendwie überspannt. Was für mich im Kindes- und Jugendalter noch akzeptabel war, war für mich hier weder nachvollziehbar noch gesund. Die Geschichte lebt nach wie vor davon, dass sie beim Hörer/Leser Emotionen weckt und das gelingt ihr wie schon bei den anderen beiden Teilen tadellos, ich meine, keine andere Reihe treibt mich so auf die Palme und fasziniert mich gleichzeitig mit ihrer Schonungslosigkeit, aber diesmal hat es mich zum ersten Mal gestört, mich überreizt.

Auch was das Tempo betrifft kam es mir vor, als würde die Story wesentlich langsamer vorangehen. Zunächst geht alles die gleichen Bahnen und im Zentrum steht vor allem das Wiedersehen mit alten Bekannten und Freunden aus Neapel und welche Wege sie in den letzten Jahren gegangen sind. Die Grundstimmung ist eher betrübt und alles wird sehr deprimierend und schmucklos dargestellt. Mir fehlten die Wendungen und das Tempo aus Band eins und zwei. Zum Ende hin findet die Geschichte aber wieder zu gewohnter Spannung und überraschenden Verzweigungen zurück, zum Glück.

Obwohl ich mit dem Teil insgesamt eher weniger zufrieden bin, werde ich das Gefühl nicht los, dass Elena Ferrante sich etwas dabei gedacht hat und den Weg für das Finale ebnet. Trotz meiner Kritikpunkte ist das Hörbuch sprachlich wieder ein kleines Meisterwerk und bündelt so viele Themen, stellt so viele Bezüge her, dass ich wieder sehr beeindruckt von dieser Arbeit bin. Die Autorin macht es einem eben nicht leicht, sondern verlangt einem als Leser ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen und Energie ab – genau das macht diese Reihe einfach so besonders und genau deswegen habe ich keine Ahnung, was mich im letzten Band erwarten wird.

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