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Stephen King
Heyne Verlag
[Seiten: 528 || Preis: 9,99 €]

Zum Inhalt: Paul ist durch seine Buchreihe um die Protagonistin Misery ein ziemlich bekannter Schriftsteller mit einer großen Fangemeinde geworden. Nach einem Autounfall landet er bei Annie, die ihn pflegt, sich selbst als sein größter Fan bezeichnet und schon bald Großes mit ihm vorhat.

Ehrlich, ich bin genauso überrascht wie ihr. Noch vor ein paar Wochen hätte ich nicht mal im Traum damit gerechnet, dass ich auf meinem Blog mal eine Rezension zu einem Roman aus der Sparte Horror hochladen würde. Noch dazu weil das ja voraussetzt, dass ich ein solches Buch auch gelesen habe. Ich, die ich in meinem Freundeskreis dafür bekannt bin, sich bei Horrorfilmen nicht nur die Augen, sondern zeitweise auch die Ohren zuzuhalten. Doch ich habe es nicht mehr ausgehalten. Nachdem auf YouTube diverse Buchblogger (beispielsweise Tami von ReadingTeabag oder Phil von Phils Osophie) von den Stephen King Büchern und vor allem von Sie geschwärmt haben, wollte ich unbedingt auch mit dem Lesen anfangen. Also habe ich meine Ängste über Bord geworfen und mich einfach ins Lesevergnügen gestürzt. Was dabei rausgekommen ist? Das erfahrt ihr jetzt!

Ich fand es besonders beeindruckend, wie sehr mich das Buch gefesselt hat, obwohl zwei Einzelheiten sich recht schnell herauskristallisierten. Zum einen ist von Anfang an klar, wer hier das Schreckgespenst ist. Im Gegensatz zu Thrillern oder Krimis wird hier keinem Phantom nachgejagt, sondern bereits von Beginn an präsentiert uns Stephen King Annie Wilkes, Krankenschwester und labile Psychopathin. Zum anderen findet der Großteil der Handlung in Annie Wilkes Haus statt. Das mag im ersten Moment vielleicht irgendwie langweilig erscheinen, ich kann euch aber versichern, dass das Setting eine einzigartig bedrückende Atmosphäre kreiert, die nicht nur Paul, sondern auch euch zu schaffen macht.

Trotzdem denke ich, dass das Buch vielleicht nicht für jeden etwas ist, denn obwohl die Spannung sich konstant aufbaut, dauert alles einfach seine Zeit. Die Handlung nimmt sehr langsam Fahrt auf und trotz ein paar Zeitsprüngen werden verstreichende Tage doch recht ausführlich beschrieben, obwohl sie sich in ihrem Ablauf ähneln. Hinzukommt, dass Annies und Pauls Interaktion im Fokus steht und andere Figuren stark in den Hintergrund rücken. Für mich steigerte aber gerade das die Authentizität der Geschichte. Erst dieses beschwerliche Verrinnen der Zeit und Pauls vielseitiger Kontakt mit Annie, die sich in einem Moment noch wie eine fürsorgliche Mutter verhält, im nächsten jedoch Pauls Leben zur Hölle macht, gewährleisteten, dass ich mit steigender Seitenzahl etwas von der Rolle war und ängstlich darauf wartete, wozu Annie fähig ist. Besonders mitgenommen hat mich in diesem Zusammenhang auch die Abhängigkeit, in die Paul unfreiwillig gezwungen wird.  Aufgrund des Unfalls ist er ziemlich umfassend auf Annie angewiesen und ihrer Willkür ausgeliefert. Für mich selbst beim Lesen ein wirklich erschreckender Gedanke! Nach der Hälfte des Buches zieht King dann noch einmal spürbar an und bereitet einem den ein oder anderen sprachlosen Moment.

„Dies war kein Traum. Nur ein weiterer Tag allein mit Annie im Gruselkabinett.“ – S. 267

Ganz besonders beeindruckt hat mich Stephen Kings Schreibstil. Ich hatte im Vorfeld schon viel Gutes darüber gehört, konnte mir aber nicht vorstellen, dass mir dieser irgendwie auffallen würde. Falsch gedacht! Der Autor versteht es, mithilfe von Sarkasmus den schlimmsten Situationen einen Funken Spott einzuhauchen, gleichzeitig weiß er allerdings auch, wie er einem das Fürchten lehrt. Er lässt seinen Protagonisten Paul einen Balanceakt zwischen Wahnsinn und Überlebenswillen vollführen und bedient sich dafür toller Elemente, die ich euch an dieser Stelle nicht vorwegnehmen möchte.

Was den Schrecken an sich betrifft, so hatte ich mir alles wirklich wesentlich schlimmer ausgemalt. Ich bin wie gesagt noch ein Greenhorn auf diesem Gebiet, würde jetzt aber mal behaupten, dass sich Sie ganz gut als Einstieg eignet. Für mich war es jedenfalls ein toller Einstieg und hat mir direkt Lust auf mehr von Stephen King gemacht. Es liegt bereits bereit und sobald mein Prüfungszeitraum an der Uni vorbei ist, werde ich mich diesem Wälzer widmen.

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