Manche Tage muss man einfach zuckern

Manche Tage muss man einfach zuckern
Tamara Mataya
Heyne Verlag
Leseprobe
[Seiten: 352 || Preis: 9,99 €]

Zum Inhalt: Im Leben der 25-jährigen Sarah geht es drunter und drüber. Sie hat nicht nur zu viel für den Bruder ihres besten Freundes übrig, ihr neuer Job entpuppt sich auch als ziemliche Herausforderung und zuletzt bekommt sie anonyme Botschaften auf der Plattform Missed Connections. Ziemlich viele Fronten, an denen sie da kämpfen muss.

Hier hat mich besonders der Buchtitel angesprochen, denn diese Tage, an denen einem einfach alles bis zum Hals steht, kennt wohl jeder. Ich habe mich auf eine entspannte, witzige Story gefreut, die mich im Urlaub ein bisschen auf andere Gedanken bringt. Rückblickend muss ich sagen, dass sich das Buch zwar für einen kleinen Tapetenwechsel eignet, aber es gab doch einige Punkte, die mich beim Lesen gestört haben.

Meine Probleme hatte ich vor allem damit, wie Sarah über ihre Mitmenschen herzieht, sie bezieht sich da vor allem auf die New-Age-Bewegung. Ja, sie hat mit ihren Chefs wirklich nicht das große Los gezogen und was sie an ihrem Arbeitsplatz aushalten muss, ist wirklich unglaublich, aber sie lästert nicht nur über ihre Chefs, sondern über alle, die deren Lebensweise teilen (beispielsweise fällt der Begriff Müslifresser). Insgesamt werden alle Menschen, die sich mit Spiritualität, gesunder Ernährung und anderen Lebenskonzepten beschäftigen (also all das, wofür Sarah nichts übrig hat) über einen Kamm geschert und als Idioten abgestempelt, was ich sehr unangebracht finde. Sarah differenziert da überhaupt nicht. Man kann doch nicht von einer Hand voll Menschen auf alle anderen schließen. Es ist für mich vollkommen o.k., dass Sarah sich überhaupt nicht mit der Einstellung ihrer Arbeitgeber identifizieren kann, aber deswegen über diese zu spotten oder andere zu beleidigen, die ihr nie etwas Unrechtes getan haben, finde ich überhaupt nicht gut.

Die Arbeitssituation, unter der Sarah zu leiden hat, hat meine Nerven gleichermaßen stark strapaziert. Natürlich habe ich mit ihr gelitten und mich mit ihr zusammen über die Ungerechtigkeit geärgert, die ihr dort widerfährt, allerdings hätte ich ihr mit fortschreitender Zeit gerne mal in den, Verzeihung, Arsch getreten. Egal, wie entschlossen sie ist, sie lässt sich immer weiter schlecht behandeln und herumschubsen, ohne sich ernsthaft zur Wehr zu setzen. Wenn sie gewollt hätte, hätten ihr andere Optionen offen gestanden. Die Begründungen, mit denen sie ihr Zögern, diverse Schritte einzuleiten, rechtfertigt, waren für mich ab einem gewissen Punkt nicht mehr nachvollziehbar und damit sank automatisch meine Bereitschaft sie weiter zu bemitleiden.

Die anderen Charaktere zeichnen sich durch keine großen Besonderheiten aus. Sie folgen dem typischen Schema, dass man schon aus anderen Büchern kennt und obwohl die Autorin hier und da versucht hat, an der Oberfläche ihrer Figuren zu kratzen, blieben sie doch recht oberflächlich und keiner wuchs mir so richtig ans Herz. Vielmehr wurden sie „gut“ und „böse“ zugeordnet und blieben auch im weiteren Verlauf sehr eintönig.

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Obwohl sich das Buch an sich gut liest und der Schreibstil sehr angenehm ist, treibt die Handlung um Sarahs Job und ihr Liebesleben so ein bisschen dahin. Richtig Tempo wird nicht aufgenommen. Es dreht sich alles vornehmlich um ihren Alltag und deshalb ähneln sich viele der beschriebenen Abläufe, was mich aber nicht allzu sehr gestört hätte, wenn nicht auch Sarahs Gedanken eine Dauerschleife gewesen wären. Im Prinzip brütet sie die ganze Zeit vor sich hin und tritt auf der Stelle, ohne richtig etwas anzupacken. Sie wartet stattdessen auf eine Art Wunder. Schade war zudem, dass der Storyverlauf für mich recht offensichtlich war und die Spannungskurve entsprechend mau ausgefallen ist.

Wenn ich mir diese Rezension so ansehe, ist sie doch etwas negativer ausgefallen, als ich beabsichtigt hatte. Am Ende des Buches rechtfertigt die Autorin Sarahs gehässige Einstellung gewissermaßen noch und stellt richtig, dass die New-Age-Bewegung nicht per se „schlecht“ ist, trotzdem ist das für mich kein Grund, dem Buch eine fast schon feindselige Grundstimmung zu verleihen. Mich konnte Manche Tage muss man einfach zuckern vor allem aus diesem Grund nicht für sich einnehmen.

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