Slow – Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben

Slow – Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben
Winfried Hille
Gütersloher Verlagshaus
Leseprobe
[Seiten: 192 || Preis: 17,99 €]

Dieses Buch wurde mir vom Gütersloher Verlagshaus kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Zum Inhalt: Wer kennt das nicht, endlose To-Do-Listen warten darauf abgearbeitet zu werden, man hetzt von einem Termin zum anderen, checkt immerzu sein Handy und hat das Gefühl, als würde einem die Zeit entgleiten. Winfried Hille sagt der Ökonomisierung von Zeit den Kampf an und plädiert für Langeweile und das Trödeln, um uns selbst wieder näher zu kommen.

Es ist schon irre, wie die eigenen Eltern früher immer davon sprachen, dass Kinder ja so schnell Erwachsen werden und die Zeit immer schneller vergeht und man selbst jetzt manchmal genau das Gleiche empfindet. Man geht seinen Verpflichtungen nach, versucht an einem Tag so viel wie nur möglich zu schaffen – Arbeit, Sport, Uni, zwischendurch noch ein Buch lesen, die Social-Media-Kanäle abklappern, endlich mal abwaschen und die Wäsche sortieren, die To-do-Liste nimmt nie ein Ende – und es fühlt sich an, als würde einem die Zeit wie Sand durch die Finger rinnen. Genau diese Empfindungen thematisiert der Autor, wobei sein Anliegen nicht darin besteht, unser Zeitmanagement zu optimieren, sondern genau gegenteilig zu agieren.

Zunächst einmal führt Hille in das Thema Zeit an sich ein, formuliert was wir in der Regel mit ihr verbinden, warum wir denken, dass sie uns davonläuft und wieso das ein Irrglaube ist. Er untermauert seine Anschauungen dabei stets mit unheimlich treffenden Zitaten, die seine Aussagen noch einmal anders auf den Punkt bringen, und bedient sich auch persönlichen Erlebnissen, um zu verdeutlichen, worauf es ihm ankommt. Jeder zweite Satz war für mich eine Offenbarung und am liebsten hätte ich alle markiert (Gott bewahre, das habe ich natürlich nicht gemacht). Das mag jetzt vielleicht blöd klingen, aber ich würde euch insgesamt auch raten, das Buch nicht unbedingt auf dem Weg zur Arbeit oder Uni zu lesen, sondern euch einen ruhigen Ort zu suchen, an dem ihr nicht ständig gestört werdet. Nehmt euch Zeit, vor allem für die ersten beiden Kapitel, um richtig in das Thema einzutauchen und das Gelesene auf euch wirken zu lassen. Ich habe das Buch während eines kurzen Wellnesstrips mit meiner Mama an der Ostsee begonnen und damit den perfekten Zeitpunkt abgepasst.

„Wenn wir die Zeit verlangsamen wollen, dann sollten wir uns demnach immer wieder darum bemühen, dass wir Neues in unser Leben einbauen, dass wir uns von der Routine möglichst fernhalten und unser Leben lebendig gestalten.“ (S. 33)

Nach den eher theoretischen Einführungskapiteln stellt der Autor konkrete Maßnahmen vor, die dabei helfen sollen, uns selbst zu entschleunigen. Und zwar in allen Lebensbereichen. Egal, ob auf der Arbeit, auf Reisen oder beim Essen, es sind oft kleine Veränderungen, die der uns inne wohnende Rastlosigkeit entgegenwirken. Kleine Einschübe innerhalb der Kapitel, fordern den Leser dabei direkt dazu auf, sich über bestimmte Fragen Gedanken zu machen oder beinhalten genaue Anleitungen für Übungen, die in den Alltag integriert werden können.
Man wird also ständig dazu angehalten, sich über den eigenen Umgang mit der Zeit Gedanken zu machen. Natürlich habe ich mich hier und da ertappt gefühlt und bin stark ins Grübeln gekommen. Wir wissen in der Regel ja selbst, dass wir uns insgesamt in allen Bereichen zu viel Druck machen und dabei vergessen, auch mal vollkommen abzuschalten, trotzdem machen wir so weiter und verdrängen das. Beim Lesen ist allerdings Schluss mit Verdrängung und man kommt nicht drumherum, sich damit einmal wirklich auseinanderzusetzen und für sich selbst Konsequenzen zu ziehen.

Besonders gut gefallen hat mir, dass der Autor am Ende des Buches noch einmal all seine Tipps und Übungen zusammenfasst. So kann man in regelmäßigen Abständen immer noch einmal reinschauen und sich die Punkte ins Gedächtnis rufen, die man für sich auch wirklich umsetzen möchte. Zudem stellt er seine eigenen Entschleunigungsrituale vor, wobei er so ehrlich ist und zugibt, dass er sich noch immer in einem Lernprozess befindet und auch in alte Muster zurückfällt. Das verdeutlicht einfach, wie schwierig eine solche Umstellung ist. Uns wurde immer eingetrichtert, unsere Zeit optimal aufzuteilen, um möglichst viel zu schaffen, wir sind immer erreichbar, verschieben Pausen und das schöne Nichtstun auf den nächsten Tag und auf den darauf und so weiter, da braucht es Übung, um aus dieser Vorlage auch mal auszubrechen.

Wenn auch ihr euch manchmal von eurem Alltag überrollt fühlt und merkt, dass die Zahnräder in eurem Kopf einfach nicht still stehen wollen, dann solltet ihr euch Slow einmal genauer  anschauen. Mir hat es wirklich geholfen, meinen Umgang mit Zeit zu überdenken und mir auch ins Bewusstsein zu rufen, wie die Prioritäten gesetzt werden sollten. Natürlich sind die hier beschriebenen Maßnahmen auch nur eine Anregung und sollten nicht einfach panisch übernommen werden. Wichtiger ist es meiner Meinung nach, abzuwägen, was man in seinen Alltag integrieren kann und an welchen Verhaltensmustern man arbeiten möchte, um innerlich Ruhe zu finden. Dafür solltet ihr euch aber auch auf das Buch einlassen. Für wen die Geschwindigkeit der Seele nach Mumpitz klingt, ist das Buch eher nichts.

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9 Gedanken zu “Slow – Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben

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