Im Hause Longbourn

Im Hause Longbourn
Jo Baker
Penguin Verlag
Leseprobe
[Seiten: 448 || Preis: 10,00 €]

Dieses Buch wurde mir vom Penguin Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Zum Inhalt: Das Dienstmädchen Sarah träumt von einem anderen Leben, in dem sie nicht die schmutzige Wäsche der Bennets waschen muss, sondern ferne Orte entdeckt und aufregende Bekanntschaften macht. Als der neue Hausdiener James auf den Plan tritt, hofft sie, dass sich endlich etwas an der Tristesse ändert, doch James ist nicht sehr gesprächig und scheint etwas zu verbergen.

Stolz und Vorurteil liebe ich sowohl als Film als auch als Buch abgöttisch und darum ist mir dieses Buch auf der Buchmesse auch sofort nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Da ich mir den Film nicht jede Woche anschauen kann (mein Freund teilt meine Leidenschaft für Mr. Darcy und Elizabeth leider nicht), fand ich das Buch als Alternative, die eine andere Sicht auf die Dinge wirft, sehr reizvoll.

Fokussiert wird diesmal nicht die Familie Bennet als solche, sondern das vierköpfige (mit dem Hausdiener James dann fünfköpfige) Dienstpersonal, bestehend aus dem alten Butler Mr. Hill, seiner Frau Mrs. Hill, die Köchin und Haushälterin in einem ist, und den zwei Dienstmädchen Sarah und Polly. Jeden Tag müssen Sarah und die anderen Angestellten von morgens bis abends dafür sorgen, dass der Haushalt der Bennets nahtlos funktioniert und alle Arbeiten wie die Zubereitung der Speisen und die Erledigung der Wäsche rechtzeitig begonnen werden. Ich fand es schon sehr beeindruckend, wie viel damals an Arbeit angefallen ist, die wir heute ganz einfach mit technischen Hilfsmitteln erledigen. Diese Seite hat man beim Schauen des Films oder Lesen des Buches von Jane Austen gar nicht im Blick, weil sie einfach auch nicht thematisiert wird. Dabei ist ja klar, dass Elizabeth ihren Petticoat wohl kaum selber waschen muss. Wie sehr wir es auch lieben, dass sie zu Fuß bis zu ihrer Schwester nach Netherfield läuft, den dreckigen Saum muss Sarah bearbeiten, bis ihre Finger wund sind und sie der Verzweiflung nahe ist.
Auch wenn Jo Baker die ursprünglichen Charakterzüge der Bennet-Schwestern nicht negativ abgewandelt hat, wirft das alles irgendwie doch ein anderes Licht auf Jane Austens Figuren. Das Hauspersonal ist eben nur das Hauspersonal und alle Familienmitglieder erwarten natürlich, dass dieses die eigenen Bedürfnisse zurückstellt und sich dem Allgemeinwohl der Familie opfert. Für Sarahs eigene Wünsche und Sehnsüchte bleibt da nicht viel Platz.

Die gesamte Handlung folgt grob der Struktur von Austens Klassiker und natürlich tauchen neben der Familie Bennet auch weitere bekannte Figuren wie Mr. Darcy und Mr. Bingley auf. Sie sind allerdings wirklich nur kleine Nebencharaktere. Mr. Collins nimmt da schon mehr Seiten in Anspruch und Mr. Wickham ist eine zentrale Figur, die stark in das Geschehen eingebunden ist. Insgesamt ist es der Autorin einfach wunderbar gelungen, das Personal in bekannten Szenen sichtbar werden zu lassen, zum Beispiel ist James der Kutscher, der die Bennet-Schwestern zum Ball in Netherfield fährt, und Sarah begleitet Elizabeth nach Derbyshire. Obwohl ich den Alltag des Dienstpersonals als sehr authentisch nacherzählt empfunden habe, fehlte mir aber insgesamt einfach die Spannung und das Mitfiebern mit den Charakteren. Viele Situationen wiederholen sich, was auch klar ist, denn es musste nun mal jeden Tag die gleiche Arbeit getan werden, doch dadurch wirkte alles etwas eintönig. Es wird nicht so richtig Fahrt aufgenommen und zeitweise geht es einfach nicht  voran und Sarah tritt auf der Stelle. Auch James konnte da nichts ausrichten. Ich hatte mir irgendwie schlagfertigere Gespräche und mehr Emotionen erhofft, gerade von Sarah und James, doch beide schleichen nur umeinander herum und grübeln vor sich hin. Sarah möchte zwar James Aufmerksamkeit wecken, benimmt sich dabei allerdings etwas kindisch.

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Trotzdem ist es nicht so, dass ich die Figuren nicht irgendwie auch ins Herz geschlossen habe. Sie alle haben es im Haushalt der Bennets nicht leicht und versuchen als eine Art Familie zusammenzuhalten und aufeinander aufzupassen. Sie haben wenig Freiheiten und müssen versuchen das Beste aus ihrer Situation zu machen. Ich bewundere sie alle für ihren Biss und bin angesichts ihres Schicksals froh, heute frei entscheiden zu können, was ich mache und wer ich sein möchte.

Insgesamt ist es wirklich interessant, einen Blick auf die andere Seite der Medaille zu werfen, die die sich abseits von Bällen und Bändern abspielt. Dennoch hat sich für mich das Buch gezogen und ich konnte mich nicht so gut unterhalten, wie ich gedacht hätte.

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4 Gedanken zu “Im Hause Longbourn

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