Der Gottbettler

Der Gottbettler
Michael M. Thurner
Blanvalet Verlag
Leseprobe
[Seiten: 512 || Preis: 14,00 €]

Dieses Buch wurde mir vom Blanvalet Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Zum Inhalt: Der Gottbettler erträumt sich eine neue Weltordnung, bringt Krieg über das Land und unterwirft mit seinem Heer eine Stadt nach der anderen. Die Hexe Terca, der Magicae Primen und der Kämpfer Rudynar Pole werden vom Schicksal zusammengeführt, um ihn aufzuhalten.
Ursprünglich wollte ich Der unrechte Wanderer lesen, quasi den Nachfolger zu diesem Roman, denn obwohl beide Bücher ganz unterschiedliche Geschichten erzählen, rieten die meisten Leser dazu, die Reihenfolge einzuhalten, damit man bereits über ein gewisses Hintergrundwissen verfügt und Zusammenhänge auch versteht. Ich folgte also den Ratschlägen und stürzte mich ins Abenteuer.

Die Geschehnisse des Romans erfährt man, wie so oft, aus unterschiedlichen Perspektiven. Sowohl die drei Hauptfiguren als auch der Gottbettler und sein Heerführer Metcairn Nife haben eigene Kapitel, die nach und nach mehr Aufschluss darüber geben, mit wem man es hier eigentlich zu tun hat. Recht schnell wird gerade mit Blick auf die drei Hauptträger der Geschichte klar, dass es sich hier nicht um klassische „Helden“ handelt, wie man das eventuell aus anderen Fantasybüchern gewohnt ist. Während der in die Jahre gekommene und verlotterte Krieger Rudynar Pole dem Alkohol frönt, ist es für die Hexe Terca bereits ein alltägliches Ritual, auf dem steilen Felsvorsprung einer Klippe auf die Erlösung durch den Tod zu warten. Auch der Magier Primen, der auf den ersten Blick am harmlosesten erscheint, beinahe schüchtern und unsicher wirkt, entwickelt sich im Laufe der Handlung zu einem unerträglichen Zeitgenossen, der zu Jähzorn und Grausamkeiten neigt. Wobei Grausamkeiten ohnehin einen Großteil der Schilderungen ausmachen, unabhängig der Charaktere.

Bei jeder sich bietenden Gelegenheit versuchen die Figuren den jeweils anderen zu übervorteilen oder mithilfe niederträchtiger Tricks zu täuschen oder zu erpressen. Es handelt sich ganz klar um eine Zweckgemeinschaft, die in dieser Form niemals freiwillig zustande gekommen wäre. Auch wenn man kurzweilig das Gefühl hat, die kleine Gruppe würde zusammenwachsen, wird man drei Seiten weiter eines besseren belehrt. Das ist einfach auch der Grund, warum ich mit keiner der Figuren sympathisiert habe. Sie alle sind gefühlslose Mörder und nutzen andere Menschen als Sprungbrett. Ich bin mir jedoch auch ziemlich sicher, dass es keineswegs die Intention des Autors war, dass man eine tiefe Bindung zu seinen „Helden“ aufbaut. Würden die Figuren nicht so sein, wie sie sind, könnten sie sich auch nicht der ihnen aufgetragenen Aufgabe stellen. Der Vernichtung des Gottbettlers.

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Was durchgehend in den Rezensionen, die ich mir im Vorfeld durchgelesen habe, kritisiert wurde, war der derbe Wortschatz der Figuren. Und ja, das hat sich bestätigt. In vielen Fantasyromanen legen die Figuren ja einen eher anstößigen Ton an Tag, aber hier wurde das Ganze wirklich auf die Spitze getrieben. Noch mehr gestört habe ich mich aber an den detaillierten Gewaltszenen. Auch was das angeht, ist meine Schmerzgrenze recht hoch und ich bin nicht sehr zimperlich (ganz anders bei Filmen). Allerdings empfand ich eine Vielzahl an Schilderungen als sehr abstoßend, es wird vor allem nicht gerade daran gespart und man schlittert von einem brutalen Kampf in den nächsten. Dazu kommt, dass die Figuren ein großes Vergnügen am Töten haben und sich nicht selten mit einem Lächeln ins Gemetzel stürzen. Für mich persönlich war das so einfach nicht tragbar. Ich hatte das Gefühl, als würde der Autor möglichst viele abgetrennte Gliedmaßen und vor allem Unmengen an Blut in die Handlung einbringen wollen.

Die Handlung an sich schreitet insgesamt gut voran. Es bleibt einem nicht viel Zeit zum Durchatmen und gerade zum Ende hin wird noch einmal viel Fahrt aufgenommen. Ich hätte mir dort aber weniger Zeitsprünge und mehr Details beziehungsweise ausführlichere Beschreibungen gewünscht. Ich dachte zwischendurch einfach: Wie will er das jetzt noch so schnell beenden? Geht es vielleicht doch im Nachfolger weiter? Gibt es ein offenes Ende? Doch Thurner beweist leider das Gegenteil und bringt alles zügig zu einem Schluss. Die Handlungsschauplätze konnten mich in der Regel überzeugen, jedenfalls die, die etwas ausführlicher dargestellt wurden. Man kommt viel im Land rum und vor allem die Stadt Poitrea hat es mir mit ihren beeindruckenden Felsbauten angetan. Wie es sich für einen Fantasyroman gehört gibt es auch viel Magie (auch wenn sie hier einen hohen Preis einfordert), verschiedenste Völker (Menschen, Zwerge, Hoboker, Sybillen, Malekuften (halb Pferd, halb Mensch)) und unheimliche Kreaturen wie die geflügelten Nachtkruppen.

Ich für mich habe jedenfalls entschieden, Der unrechte Wanderer nicht wie geplant im Anschluss zu lesen, da ich mich einfach zu sehr an Brutalität der Figuren störe. Obwohl die Grundidee der Geschichte bei mir Anklang gefunden hat, kann ich darüber einfach nicht hinwegsehen und würde das Buch auch nicht unbedingt weiterempfehlen. Außer ihr stört euch an den von mir aufgeführten Punkten nicht und braucht keine klassischen Helden, die tief in ihrem Inneren wenigstens versuchen, sich zu ändern und ein guter Mensch zu sein.

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2 Gedanken zu “Der Gottbettler

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