Die Seideninsel

Die Seideninsel
Kelli Estes
Goldmann Verlag
Leseprobe
[Seiten: 480 || Preis: 9,99 €]

Dieses Buch wurde mir vom Goldmann Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Zum Inhalt: Inara findet durch Zufall in der alten Villa ihrer verstorbenen Tante einen bestickten Ärmel, der in Verbindung mit einer Frau aus dem 19. Jahrhundert zu stehen scheint. Von Neugier angetrieben, geht sie dem Geheimnis um den Ärmel auf die Spur und erfährt Dinge aus der Vergangenheit, die sich massiv auf ihr Leben auswirken.

Ich hatte keine Ahnung, wo mich diese Geschichte hinführen würde. Das Buch wählte ich aus einem Instinkt heraus aus. Eine alte Villa, Familiengeheimnisse – ich hatte in letzter Zeit öfter Bücher gesehen, die in diese Richtung gingen und hatte große Lust auf die Thematik.

Das Buch teilt sich in zwei Erzählstränge. Zum einen begleitet man Inara, eine Uniabsolventin, die die alte Villa ihrer Tante geerbt hat und nun entscheiden muss, was damit passiert, zum anderen erfährt man die Geschichte von Liu Mei, einer jungen Chinesin, die zusammen mit ihrer Familie im Zuge des 1882 erlassenen Chinese Exclusion Act furchtbares durchmachen muss und aus Amerika vertrieben werden soll. Während Inaras Erzählstrang lediglich einige Monate umfasst und keine größeren Zeitsprünge gemacht werden, verstreicht bei Liu Mei nicht selten viel Zeit zwischen den sie betreffenden Kapiteln, die insgesamt acht Jahre einfassen. Manch einem könnte die Geschichte damit vielleicht zu langatmig sein, aber ich mochte es sehr, dass sich die Handlung in Ruhe entwickeln konnte und nirgendwo hineingepresst wurde. Zumal es inhaltlich aus so wichtig war, dass man gerade das Leben der jungen Liu Mei über so viele Jahre begleitete. Würde man die Geschichte nur aus Inaras Perspektive lesen, hätte man gerade am Ende noch so viele offene Fragen. Da man aber zeitgleich auch immer einen Blick in die Vergangenheit wirft, ist man am Ende klüger als Inara und weiß im Gegensatz zu ihr genau, wie sich alles abgespielt hat.

Schauplatz der Handlung ist vor allem Orcas Island im Bundesstaat Washington. Von Anfang an beschreibt die Autorin die Insel als einen idyllischen Ort mit noch viel unberührter Natur und genau wie Inara verliebte ich mich ein bisschen und in meinem Kopf entstanden sofort die schönsten Bilder. Bei dem ganzen Trubel, dem man im Alltag so ausgesetzt ist, würde einem ein solcher Ort oft wirklich gut tun.

Doch nicht nur die Darstellung der Insel hat mich gefangen genommen, die Beschreibungen der grausamen Demütigungen der Chinesen durch die Amerikaner haben mich gleichermaßen emotional aufgewühlt. Drohungen und Ignoranz standen an der Tagesordnung und auch vor körperlicher Gewalt schreckten die Bewohner der Insel zur damaligen Zeit nicht zurück. Es war wirklich schlimm, was Liu Mei über sich ergehen lassen musste und dennoch fand sie irgendwo die Stärke, immer weiterzumachen und an ihrer Kultur festzuhalten. Die Autorin nahm sich, wie sie es selbst im Anhang beschreibt, die künstlerische Freiheit heraus, einige historische Gegebenheiten für ihre Zwecke abzuwandeln, doch die Handlung basiert leider dennoch auf Fakten.

Was die Gegenwart und Inara betrifft, so nahm die Thematik rund um die Gestaltung der eigenen Zukunft einen großen Raum ein. Die Amerikanerin, die vor allem durch ihren Vater stark bei der Wahl ihrer Ausbildung beeinflusst wurde, stellt auf der Insel plötzlich fest, dass sie andere Träume hat und ihr Glück vielleicht nicht auf ihrem jetzigen Pfad finden kann. Ich persönlich mache mir auch immer viele Gedanken darüber, was ich denn irgendwann einmal möchte. Von außen gibt es ja immer genug Druck und Erwartungen, und man denkt oft, irgendwelche Wünsche anderer erfüllen zu müssen, doch schließlich müssen am Ende nicht die anderen, sondern man selbst mit der Entscheidung leben. Auf sein eigenes Gefühl zu hören, ist somit vielleicht die beste Lösung? Ich mochte das Statement des Buches dahingehend sehr gerne.

Insgesamt bleibt mir nur zu sagen, dass ich die Geschichte sehr mochte, sie schildert authentisch ernste, historische Ereignisse in Amerika, die einen wirklich bis ins Mark erschüttern, gibt einem aber auch viele schöne Momentaufnahmen und Botschaften mit auf den Weg.

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4 Gedanken zu “Die Seideninsel

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