Die Farben des Blutes, Band 2: Gläsernes Schwert

Gläsernes Schwert
Victoria Aveyard
Carlsen Verlag
Leseprobe
[Seiten: 576 || Preis: 21,99 €]

Vorsicht! Bei dieser Rezension handelt es sich um einen zweiten Teil! Wer Band 1, Die Rote Königin, noch nicht gelesen hat und nicht möchte, dass Informationen vorweggenommen werden, der sollte hier NICHT weiterlesen!

Inhalt: Mare hat am Hof Schreckliches erlebt und hat auf brutale Weise gelernt, dass sie niemanden mehr vertrauen kann. So wird auch ihre Mission, die anderen Menschen mit rotem und silbernem Blut zu finden, zu einem Spießrutenlaufen, bei dem sie gezwungen wird, ihr altes Ich zu begraben und über sich selbst hinauszuwachsen.

Als ich vergangenes Jahr den ersten Teil der Reihe las, war ich insgesamt ziemlich zufrieden. Mich irritierte sogar teilweise die Kritik, die ich im Nachhinein zu dem Buch las und ich verteidigte es weiterhin stets als gute Lektüre. Als nun der zweite Teil erschien, wurden wieder sehr unterschiedliche Stimmen laut – und mich befiel eine gewisse Unruhe. Statt das Buch zu kaufen, lieh ich es mir letztens also in der Bibliothek aus (der Preis war mir doch einfach zu happig), denn ich wollte mir endlich mein eigenes Urteil bilden. Rückblickend bin ich froh, dass ich nicht das ganze Geld ausgegeben habe, denn so richtig eingenommen hat mich die Fortsetzung von Mare wirklich nicht, stattdessen wurde ich eher enttäuscht.

Beginnen wir mit den positiven Aspekten. Über was man sich wohl nicht beschweren kann, ist ein Handlungsstillstand, denn Mare, Cal und der Rest ihrer Rebellenformation bleiben die gesamte Zeit über ziemlich viel in Bewegung. Wilde Verfolgungsjagden, Rettungsaktionen, allerhand Gefechte – es ist immer etwas los und endet nicht selten in einem ziemlichen Blutbad. Insgesamt erschien mir der zweite Teil wesentlich düsterer und brutaler als Band 1. Die wechselnden Schauplätze sorgten auf jeden Fall dafür, dass man sich immer wieder auf eine neue Situation einstellen musste und keine Langeweile aufkam. Auch die Einführung vieler neuer Charaktere hat mir gut gefallen und ich war immer neugierig, welche Fähigkeiten enthüllt werden würden und welche Geschichten hinter den einzelnen Personen steckten. Meiner Meinung nach hätte man da aber auch noch etwas mehr herausholen können, denn die einzelnen Neuankömmlinge blieben insgesamt ein bisschen oberflächlich, obwohl man wohl auch zugeben muss, dass eine detaillierte Abhandlung den Rahmen vielleicht gesprengt hätte.
Auch den Schreibstil der Autorin empfand ich wieder als sehr angenehm. Ich tauchte nur nicht ganz so in die Handlung ein, der erste Teil nahm mich förmlich gefangen, hier brauchte ich öfter einmal eine Pause und musste mich wieder sammeln. Ich hatte einfach keinen Tunnelblick und auch nicht das Gefühl, nicht mehr aufhören zu können.

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Die Gründe dafür erläutere ich euch jetzt.

Was mich mit Abstand am meisten gestört hat, und bereits im Vorfeld schon von vielen anderen kritisiert wurde, war Mares Egozentrik. Ganz ehrlich hat mich das teilweise so genervt, dass ich richtig schluderig gelesen habe. Zu gern erinnert die Blitzwerferin einen daran, was für unglaubliche Fähigkeiten sie hat, wie wichtig sie insgesamt für die Rebellion ist und das sie als Einzige das Leid der ganzen Welt zu tragen vermag. Mag sein, dass sie in der Tat eine sehr wichtige Rolle spielt, doch das die gesamte Zeit über breitzutreten und immer wieder durchzukauen, hat sie mir unglaublich unsympathisch gemacht. Die ganze Zeit über versuchte ich mir einzureden, dass die Autorin Mares Persönlichkeitsentwicklung ganz bewusst so gestaltet, um mich vielleicht im dritten Teil mit einer großen Rückwandlung zu überraschen, aber das hat es leider nicht wirklich besser gemacht.
Zudem finden Mare und Cal meiner Meinung nach viel zu schnell zu einer gemeinsamen Basis zurück. Ich meine, nach allem, was Ende des ersten Buches geschehen ist, bedarf es ein paar brenzliger Situationen und Panikanfällen von Mare und schon scheint alles halbwegs vergessen. Wo bleibt die Wut über den Verrat? Wo ist die lautstarke Auseinandersetzung, die alle Emotionen zu Tage fördern würde? Mir ging das alles viel zu schnell. Ich hätte mir insgesamt einfach mehr Zeit und eine langfristigere Entwicklung gewünscht.
Etwas fantasielos fand ich auch, wie Mares Bruder Shade im gesamten Buch als Retter in der Not eingespannt wurde. Seine Fähigkeit ist wirklich cool, aber als er dann zum wiederholten Male der einzige Grund für eine gelungene Flucht oder eine abgeschlossene Mission war, konnte ich nur die Augen verdrehen. Da fehlte mir leider einfach die Abwechslung und ich fand es nicht gut, dass damit im Vorfeld falsch getroffene Entscheidungen von Mare oder Cal einfach ausradiert wurden und teilweise keine eigene Lösungsfindung stattfand.

Insgesamt bin ich froh, mir das Geld gespart zu haben, da ich mich jetzt ansonsten wirklich ärgern würde. Falls ihr bereits beim ersten Teil nicht ganz überzeugt wart, würde ich euch deswegen auch empfehlen, das Buch aus der Bibliothek oder von einer Freundin auszuleihen.

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6 Gedanken zu “Die Farben des Blutes, Band 2: Gläsernes Schwert

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