Jane Austens Geheimnis

Jane Austens Geheimnis
Charlie Lovett
Goldmann Verlag
Leseprobe
[Seiten: 416 || Preis: 9,99 €]

Dieses Buch wurde mir vom Goldmann Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Inhalt: Sophie, Büchersammlerin und Jane Austen Fan, hat ihr Studium beendet und überlegt gerade, wie ihr Leben weitergehen soll, als sie einen schmerzlichen Verlust erleidet, der sie letztendlich in ein Antiquariat nach London führt. Als Angestellte wird sie dort mit der Suche nach einem äußerst ungewöhnlichen Buch beauftragt und gerät zusehend in Schwierigkeiten, denn scheinbar steckt dahinter mehr als ein harmloser Kundenwunsch und sie kommt einem Geheimnis ihrer britischen Lieblingsschriftstellerin auf die Spur.

Letztes Jahr schaute ich zum ersten Mal die Verfilmung von „Stolz und Vorurteil“ mit Keira Knightley als Elizabeth Bennet. Ich stand sofort in Flammen und verschlang kurz darauf auch den gleichnamigen Roman, der seitdem zu einem meiner liebsten Werke zählt. Aus diesem Grund erregte „Jane Austens Geheimnis“ gleich mein Interesse und ich erhoffte mir eine unterhaltsame Geschichte, die die Lust bei mir entfacht, auch die anderen Werke der Autorin endlich in Angriff zu nehmen.

Lust auf mehr macht der Roman auf jeden Fall! Es werden sowohl Sophies Erlebnisse in der Gegenwart als auch Jane Austens Stationen als Schriftstellerin umrissen. Auch wenn die beschriebenen Situationen aus den Jahren 1796-1817 nur bis zu einem gewissen Grad auf historischen Fakten basieren, fand ich die jeweiligen Kapitel unglaublich interessant und wirklich gelungen. Es fiel mir sehr leicht in die dort beschriebenen Umstände einzutauchen und alles erschien plausibel und zeitgemäß. Besonders die Figur des Richard Mansfield, dem Jane Austen bereits im ersten Kapitel begegnet, habe ich sehr ins Herz geschlossen. Der betagte Mann strahlte so viel Ruhe und Weisheit aus, dass ich selbst gerne mit ihm ins Gespräch gekommen und einen Spaziergang um den See getätigt hätte.
Im Laufe der Kapitel wird auch die Arbeit an den Werken „Verstand und Gefühl“ sowie „Die Abtei von Northanger“ thematisiert, sodass ich wirklich motiviert wurde, diese Werke in naher Zeit zu lesen. Erstgenanntes besitze ich bereits seit einiger Zeit, sodass mit Ausflüchten jetzt Schluss ist.

Doch kommen wir zur Gegenwart. Protagonistin ist Sophie, die ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Onkel pflegt und von ihm alles über Bücher gelernt hat. Die Beziehung zwischen den beiden fand ich wunderschön und ich wünschte, ich hätte auch jemanden in der engen Verwandtschaft, mit dem ich mich so intensiv über Bücher austauschen könnte. Die beiden durchstreifen seit Jahren zusammen diverse Bücherläden und lesen sich gegenseitig am Kamin vor. Da kann man wirklich neidisch werden.
Ich habe ihre Dialoge sehr gerne verfolgt und auch das ein oder andere für mich mitgenommen. Besonders interessant fand ich das Sortiersystem von Sophies Onkel. Statt seine Bücher nach Autoren, Genre oder Titeln zu sortieren, geht er nach den thematischen Zusammenhängen der Werke. Bücher, die eine inhaltliche, charakteristische Gemeinsamkeit haben, stehen zusammen. Das ist mal etwas ganz anderes und mich würde es ja schon reizen, diese Methode irgendwann auszuprobieren.

Man muss ein Buch lesen, um dann den richtigen Platz im Regal dafür zu finden. (S. 34)

Kern der Handlung ist eine Entdeckung, die Sophie im Zuge ihres Jobs während eines Kundenauftrages macht und die Jane Austens Werk „Stolz und Vorurteil“ stark in Verruf bringen könnte. Als große Bewunderin der Autorin will Sophie dieser Spur unbedingt nachgehen und die Wahrheit aufdecken. Allerdings nimmt die Sache ungeahnte Ausmaße an und alles entwickelt sich zu einer Art Krimi. Obwohl Krimi wohl etwas übertrieben ist, denn so ganz kaufe ich der Handlung diese vermeidliche Richtung nicht ab. Es gib durchaus ein paar Szenen, die Elemente aus der Krimiabteilung enthalten, doch mir brach weder der Schweiß aus, noch fieberte ich dem Finale entgegen. Ich denke, dass die Handlung diesen Weg gar nicht hätte gehen müssen, sondern auch gut ohne diesen Aspekt funktioniert und nicht fast schon deplatziert gewirkt hätte.

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Als ebenfalls überzogen empfand ich das Aufeinandertreffen von Sophie und den beiden Männern Eric und Winston. Ich fühlte mich in beiden Fällen stark überrumpelt, ganz im Gegensatz zu Sophie, die ziemlich schnell mit den Gedanken bei potenziellen Schäferstündchen war und trotz zeitweiligem Misstrauen flott zu so manchen Aktionen überredet werden konnte. Ich bin die Letzte, die etwas gegen männliche Charaktere oder eine Liebesgeschichte hat, doch beides muss für mich schon glaubhaft sein und darf nicht in die Geschichte hineingepresst werden. Ein Mann allein hätte es hier auch getan und dann wäre vielleicht auch etwas Zeit für ein entspanntes Kennenlernen geblieben.

Das klingt jetzt negativer, als es wirklich war. Insgesamt ist „Das Geheimnis von Jane Austen“ ein Wohlfühlbuch für ruhige Nachmittage im Garten und erwärmt vor allem dem ein oder anderen passionierten Bücherwurm das Herz, wenn von Bibliotheken, Jane Austen und allgemein der Sammelleidenschaft erzählt wird. Die gesamten Kapitel in der Gegenwart sollte man mit einem Augenzwinkern lesen und sich nicht zu sehr auf das Versprechen eines äußerst gefährlichen Abenteuers verlassen, da man in diesem Fall mit großer Wahrscheinlichkeit enttäuscht wird. Da ich aber kein großer Krimifan bin, war ich darüber nicht wirklich traurig.

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10 Gedanken zu “Jane Austens Geheimnis

  1. Eine tolle Rezension, habe sie wirklich gerne gelesen! Ich mag ja Jane Austens Bücher auch wirklich gerne! Tue mich aber schwer damit. Bücher über diese Autoren zu lesen, da ich nicht möchte, dass mein Bild von ihnen auf irgend eine Art „zerstört“ wird. Ich hoffe du weisst wie ich das meine 😀
    Wünsche dir einen ganz tollen Tag!

    Gefällt 1 Person

    1. Ich freue mich, dass dir die Rezension gefallen hat! Oh ja, ich verstehe wirklich gut, was du meinst! Zum Glück erscheint mir der historische Teil des Romans wirklich plausibel und ich habe ihn gerne gelesen. 🙂 Ich wünsche dir auch noch einen schönen Donnerstag!

      Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank! Deine Rezension hat mir auch sehr gut gefallen! Toll, dass du die ganzen Bücher herausgeschrieben hast, da sieht man erst einmal, wie viele dort angerissen wurden. 🙂
      „Stolz und Vorurteil“ ist wirklich wunderschön und wird auch dich ganz sicher in den Bann ziehen!
      Allzeit gute Fahrt und liebe Grüße!
      Maren

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