Nicht ganz mein Typ

Nicht ganz mein Typ
Björg Magnúsdóttir
Insel Verlag
Leseprobe
[Seiten: 322 || Preis: 12,99 €]

Zum Inhalt: Die vier Freundinnen Tinna, Inga, Regina und Bryndís kennen sich schon seit ihrer Kindheit. Jetzt sind sie erwachsen und haben unterschiedliche Zukunfts- und Lebensvorstellungen, die sich teilweise stark voneinander unterscheiden. Doch trotz ihrer Differenzen verbindet sie ihre tiefe Freundschaft, die sie am Ende immer wieder zusammenschweißt.

Nicht ganz mein Typ habe ich im Rahmen einer Leserunde auf LovelyBooks gewonnen und mich riesig darüber gefreut, denn das war meine erste Erfahrung mit dieser Art von Buchbesprechung bzw. Diskussion. Es ist toll, während des Lesens immer parallel auch andere Meinungen zu hören und ich hoffe, dass ich zukünftig nochmal das Glück habe und an einer Leserunde teilnehmen darf.

Der Roman garantiert vor allem eins: viel Unterhaltung! Eine ausgefallene Situation jagt die Nächste und mittendrin versuchen die vier Frauen irgendwie ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Es geht natürlich in erster Linie um Männergeschichten, aber auch die zukünftige Karriereplanung und die individuellen Zweifel der Isländerinnen spielen eine große Rolle.  Auffällig dabei ist, dass zu Beginn der Handlung alles noch relativ oberflächlich bleibt und man vor allem die vier Frauen genauer kennen lernt. Mit Hilfe erhitzter Diskussionen zwischen den Freundinnen über Mode, Rollenmuster und Politik erhält man einen Einblick in die ungleichen Persönlichkeiten und bekommt ein Gefühl dafür, wer wie tickt. Außerdem sind die kurzen Kapitel auch immer abwechselnd aus  Tinnas, Ingas, Reginas und Bryndís Sicht geschrieben, sodass man zusätzlich erfährt, was sie wirklich manchmal über ihre Freundinnen denken und welche Probleme sie heimlich mit sich herumtragen. Später, so zum Ende des Buches, wird die Handlung etwas bedeutungsvoller und auch ernstere Themen, die vor allem gewisse Entscheidungen von den Frauen fordern, werden thematisiert. Allerdings verliert die Handlung dabei insgesamt nicht ihre kennzeichnende Komik.

Die Freundschaft der Isländerinnen wird im gesamten Roman sehr ungeschönt und realistisch dargestellt. Statt Friede Freude Eierkuchen geraten die Frauen wegen ihren verschiedenen Lebensstilen und Einstellungen öfter aneinander und können dabei auch ziemlich bösartig zueinander sein. Fehltritte und peinliche Situationen werden einem, wie man das selbst ja auch kennt, immer wieder gerne mal unter die Nase gerieben, die eigene Person skrupellos durch den Kakao gezogen. Dennoch sind die Frauen, wenn es drauf ankommt, füreinander da und können auch ziemlich aufdrehen, falls eine von ihnen in der Klemme steckt oder von jemand anderem angegangen wird. Obwohl ich so manchen Schlagabtausch ziemlich extrem fand, war es doch schön, dass es sich hier nicht um eines dieser Trugbilder von Freundschaft handelte, bei denen niemand mal anderer Meinung ist und alle immer sofort klein beigeben.

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Eine Favoritin hatte ich unter den vier Frauen nicht, denn alle waren aufgrund ihrer Unterschiede sehr spannend und ziemlich vielfältig. Natürlich gab es die ein oder andere Charaktereigenschaft oder verkündete Meinung, mit der ich nicht mitgegangen bin, aber dieses Anecken und nicht jedem gefallen wollen, war auch das, was die Figuren ausgemacht hat. Die Autorin hat mit ihren Frauen auch mal provoziert und keine kleinen Mäuschen erschaffen, die jedem gefallen. Gerade dadurch, dass so extreme Standpunkte vertreten wurden, hat man selbst über die Dinge nachgedacht und innerlich Stellung bezogen.
Die Männer in dem Roman waren eine Nummer für sich und haben bei mir für fassungsloses Kopfschütteln gesorgt. Ich konnte kaum glauben, was sich da hin und wieder abgespielt hat und wäre in gewissen Situationen wahrscheinlich völlig durchgedreht. Vom absoluten Arschgesicht bis zum Muttersöhnchen und dem Sensibelchen ist alles dabei.
Eine besondere Erwähnung gebührt auch der Schwiegermutter von Inga, die mir eine Heidenangst eingejagt hat und mit ihren Psychospielchen die kleinen Unstimmigkeiten mit den „normalen“ Schwiegermüttern ziemlich in den Schatten stellte.

Ich bin vor allem auch ein Fan von Magnúsdóttirs Schreibstil, denn ihre taffen Formulierungen passten einfach auch perfekt zu den vier Isländerinnen und machten es einem ziemlich einfach, sie sich bildlich vorzustellen. Die Verfolgung der inneren und äußeren Dialoge hat somit auch immer ziemlich viel Spaß gemacht und mich nicht gelangweilt. Natürlich waren einige Situationen etwas überzogen und man muss manches einfach mit einem Augenzwinkern betrachten, aber das fiel mir nicht schwer und an sowas störe ich mich auch nicht. Es handelt sich hierbei einfach um eine lockere Lektüre, die einem zum Schmunzeln bringt und nicht geistig fordert oder besonders ausgeklügelt ist. Es ist eher, wie auf dem Buch auch schon angedeutet wird, wie bei einer Mittwoch- oder Donnerstagabend Serie auf Pro7 oder Sixx.

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2 Gedanken zu “Nicht ganz mein Typ

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