Der große Trip – Wild

Der große Trip – Wild
Cheryl Strayed
Goldmann Verlag
Leseprobe

[Seiten: 448 || Preis: 9,99 €]

Zum Inhalt:
Die 26-jährige Cheryl hat einige Tiefschläge in ihrem Leben verkraften müssen und ist sich selbst fremd geworden. Um die vergangenen Erlebnisse endlich zu verarbeiten und wieder zu dem Menschen zu werden, der sie gerne sein würde, beschließt sie auf dem PCT, dem Pacific Crest Trail, zu wandern und bis an ihre körperlichen und psychischen Grenzen zu gehen.

Das Buch:

Ich hatte einige Erwartungen bezüglich der Geschichte über Cheryls Wanderung und muss sagen, dass ich wirklich nicht enttäuscht worden bin. Nicht nur der biografische Bezug sorgt dafür, dass einem alles greifbar und konkret erscheint, vor allem die Schilderungen Cheryls waren so schön ungekünstelt. Ich konnte mich unheimlich gut in ihre Lage versetzten und mich mit ihr identifizieren, als sie schilderte, welche Probleme sie mit ihrem Rucksack hatte (Einwegrasierer, ja oder nein?) und welche Gedanken sie während der Reise plagten. Sie war eben kein Wander-Pro, der immer wusste, was er tat oder auf jede Situation bis ins Kleinste vorbereitet war und genau das ließ mich umso mehr mit ihr mitfiebern und auch mitlachen.

Die Erläuterungen zu den Gründen ihrer Reise, warum es überhaupt soweit gekommen war und welche privaten Tiefschläge sie dazu motivierten, waren sehr intensiv und alles andere als leichte Kost. Es wurde auf einige, mich ein wenig verstörende Situationen hingewiesen, die aber einfach zu Cheryls Geschichte dazugehörten. Von außen lässt sich immer leicht Urteilen, aber ich musste viel darüber nachdenken, was passieren würde, wenn ich in Cheryls Lage wäre. Schlimme Ereignisse können einen Menschen völlig aus der Bahn werfen und jeder verarbeitet seine Trauer eben auf eine ganz andere Art und mit anderen Mitteln.

Im Laufe der Erzählung gibt es immer mal wieder Rückblicke und Wiederholungen, die dafür sorgen, dass einem Zusammenhänge hinsichtlich Cheryls Gefühlswelt klarer werden oder noch einmal der Erinnerung auf die Sprünge helfen. Man wächst zusammen mit Cheryl über ihre Grenzen hinaus, aber begegnet auch ihren dunkelsten Dämonen, die sie immer wieder einholen und an finstere Zeiten erinnern. Es ist unglaublich wie sich Cheryl mit jedem bezwungenen Kilometer weiterentwickelt und welche körperlichen und psychischen Qualen sie die gesamte Zeit über erträgt. Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie stark einen eine solche Erfahrung für die Zukunft prägt.

Den essenziellen Kern der Erzählung bildet das Verhältnis zwischen Cheryl und ihrer Mutter Bobbi. Die tiefe ihrer Beziehung hat mich sehr berührt und ich habe Bobbi für ihre ausdauernde Stärke und ihr positives Denken bewundert. Ich denke, dass gerade Bobbi mir, neben Cheryl, sehr lange im Gedächtnis bleiben wird. Die anderen Personen, auf die Cheryl während ihrer Wanderung trifft, sind ein bunter Haufen. Es gibt Hippies, Obdachlose, Abenteurer und Gleichgesinnte. Überrascht hat mich, dass die Begegnungen oft sehr herzlich waren und es kaum negative Erlebnisse gab. Cheryl trampte schließlich auch das ein oder andere Mal und gerade das bereitete mir immer ein bisschen Bauchschmerzen.

Schön hätte ich noch gefunden, wenn man eine Karte in dem Buch gehabt hätte, anhand der man Cheryls gesamte Wanderung inklusive den Stopps hätte besser verfolgen können. So wäre das ein bisschen anschaulicher gewesen.

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Der Film:

Da mich ursprünglich der Film erst auf Cheryl Strayeds Wanderung aufmerksam gemacht hat, wollte ich die Verfilmung unbedingt noch im Anschluss schauen und in diese Rezension mit einfließen lassen.

Ich muss wirklich sagen, dass mir das Buch insgesamt besser gefallen hat und für mich auch stimmiger war. Das sage ich jetzt aber nicht nur, weil die Bücher in der Regel immer besser sind als die Filme! Es gibt einige Sachen, die mich doch gestört haben.

Zum einen finde ich, dass sich die Gedanken und Erinnerungen von Cheryl im Film nicht so gut fassen lassen. Es werden immer wieder Erinnerungssequenzen eingespielt, die einem einen Überblick verschaffen sollen, doch sie können bei weitem nicht so eine Tiefe erzeugen wie im Buch, wo Cheryl aus der Ich-Perspektive alles schildert. Damit verpasst man leider, meiner Meinung nach, genau das, was das Buch zum größten Teil ausmacht.

Zum anderen ist der Film natürlich auch stark gekürzt und es werden einige Begegnungen Cheryls gänzlich weggelassen und auch die Zwischenstopps nur angerissen. Dadurch und wegen der oben genannten, nicht in ihrer Ausführlichkeit dargestellten inneren Kämpfe und intensiven Erinnerungen Cheryls wirkt die Wanderung viel schwereloser und weniger bedeutungsvoll.

Dagegen vermittelt der Film einem aber ein Gefühl für die Landschaft, die Cheryl bezwungen und bewundert hat. Trotz der ausführlichen Beschreibungen im Buch, konnte ich mir erst während des Films wirklich vorstellen, wie es rund um Cheryl ausgesehen haben muss und wie atemberaubend die rohe Natur auf dem PCT wohl ist.

Falls ihr in ein Interview mit Cheryl reinschauen wollt, um mehr über ihre Wanderung zu erfahren, könnt ihr hier vorbei schauen. Allerdings wird dadurch einiges vorweg genommen!

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7 Gedanken zu “Der große Trip – Wild

  1. „Es gibt Hippies, Obdachlose, Abenteurer und Gleichgesinnte. Überrascht hat mich, dass die Begegnungen oft sehr herzlich waren und es kaum negative Erlebnisse gab.“ – das gleiche könnte man über Blogger sagen ;D

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