Orange is The New Black

Piper muss ins Gefägnis.

Und das, obwohl ihr Verbrechen bereits 10 Jahre her ist. Ihr bleibt also nichts anderes übrig, als ihre 15-monatige Haft anzutreten. Als Neuling hat sie es natürlich alles andere als leicht. Unter den alteingesessenen Ladys gibt es Regeln. Und von denen hat Piper zunächst nicht den blassesten Schimmer. Nach und nach muss sie sich Respekt erkämpfen und zusehen, dass sie nicht zwischen die Fronten gerät. Denn eins ist klar, im Gefängnis ist immer etwas los. Jeder muss seinen Platz finden, damit die Ordnung erhalten bleibt. Dabei eckt sie nicht selten an, muss erniedrigende Übergriffe aushalten und gerät in die ein oder andere Schwierigkeit. Zu allem Überfluss wird sie auch noch mit einer alt bekannten Freundin konfrontiert, die nicht ganz unschuldig an ihrer Haft ist.

Orange is The New Black läuft seit September 2014 auf Netflix. Momentan gibt es drei Staffeln. Ich hatte schon im Vorfeld von der Serie gehört und sie daraufhin gleich getestet. Fazit: Innerhalb eines Monats habe ich alle drei Staffeln geschaut. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören!

oitnb
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Die Serie lebt einfach von den unterschiedlichen Charakteren. Da dürfte für jeden etwas dabei sein. Nehmen wir zum Beispiel die russische Köchin Red. Für ihre Gefängnisfamilie sorgt sie, aber wehe du kommst ihr in die Quere oder äußerst dich abfällig über das ausgegebene Essen, dann kann sie dir das Leben zur Hölle machen. Dann sind da Taystee und Poussey. Beides jüngere Insassinnen, die eine enge Freundschaft verbindet und die einen ausgeprägten Sinn für Humor teilen. Big Boo ist durch und durch eine Schürzenjägerin und kann ziemlich aufdringlich werden, während Lorna eher niedlich ist und ihre psychisch etwas angeschlagene Seite gut zu kaschieren weiß.
Auch die restlichen Frauen haben ihre ganz eigene Art und überraschen einen immer wieder mit ihren Entscheidungen, ihren Plänen oder ihrer Vergangenheit. Letztere wird nach und nach enthüllt. In der Regel erfährt man in jeder Folge von einer anderen Frau etwas genauer, warum sie im Gefängnis gelandet ist. Gerade das fand ich unheimlich spannend und bei vielen Frauen konnte ich es gar nicht abwarten, in ihrer Lebensgeschichte herumzuwühlen.

Auch die Gefängniswärter und die den Gefangenen zugewiesenen Betreuer sind keine frommen Lämmer. Einige Kandidaten nutzen ihre Machtstellung nur zu gerne aus und beteiligen sich sogar an gefängnisinternen Deals. Doch es gibt auch ehrlich engagierte Mitarbeiter, die die Frauen ernst nehmen und sich um ihre Bedürfnisse kümmern. Die Beziehung zwischen den Inhaftierten und den Mitarbeitern fand ich sehr interessant, denn die Stimmung konnte immer schnell kippen und der Grad zwischen Bevorzugung und Hilfestellung blieb stets sehr schmal.

Hauptprotagonistin bleibt aber vor allem Piper. Während all der Staffeln schwankte ich bei allen Charakteren zwischen „Diese Bitch!“ und „Ja, so ist es richtig!“. Gerade als ich dachte, dass ich eine Frau durchschaut hätte, tat sie etwas, das ich nie für möglich gehalten hätte und war entsetzt. Bei Piper dauerte das etwas länger. Ihre Veränderung während ihres Aufenthaltes im Gefängnis vollzieht sich schleichender. Entgegen vieler anderer Insassinnen kommt sie aus einem behüteten Zuhause und musste nie wirklich Abstriche machen. Dementsprechend kann man sich auch die Reaktion der Familie auf den Haftantritt ausmalen. Besonders die Beziehung zwischen Piper und ihrem Verlobten Larry muss sich neu bewähren.

Pipers lebt plötzlich in einer Art Parallelwelt, die außer ihr und den anderen Insassinnen niemand kennt und plötzlich dreht sich in ihrem Alltag alles um Zigaretten schmuggelnde Kakerlaken, entlaufene Hühner und das Herstellen von kreativen Alternativen zu Ohrenstöpseln und Badelatschen. Freunde und Familie, die sie im Gefängnis besuchen, interessiert das allerdings herzlich wenig. Piper muss selbst klarkommen und lernt mit der Zeit, wie sie überlebt und die Strukturen im Gefängnis nutzen kann.

Die Serie verschönt insgesamt nichts. Humor und Brutalitäten wechseln sich ab und man ist fast nie darauf vorbereitet. Es bleibt immer spannend und eine Folge jagt die Nächste, bis plötzlich der Nachmittag rum ist. Kurz: Ich kann euch die Serie absolut empfehlen, wenn ihr einen breit gefächerten Humor besitzt, die ungeschönte Realität vertragt und euch das ein oder andere, milde ausgedrückt, Schimpfwort nicht vergrault.

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5 Gedanken zu “Orange is The New Black

  1. Mir fehlt nur noch die finale Folge von Staffel 3, dann bin ich auch durch mit der Serie. Obwohl sie nicht zu meinen liebsten Serien zählt, hat OITNB etwas, das mich fesseln konnte. Ich mag vor allem, dass in jeder Folge eine andere Insassing beleuchtet wird. Allerdings werde ich überhaupt nicht mit Piper (und ihre Entwicklung) warm. 😦

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, Piper ist mir von Staffel zu Staffel auch immer unsympathischer geworden! Während andere sich positiv verändert haben, ist bei ihr genau das Gegenteil passiert. Ich finde die Serie macht einen einfach wahnsinnig, manchmal würde man am liebsten einfach den Fernseher ausmachen, aber man MUSS wissen, wie es weiter geht! ^^

      Gefällt 2 Personen

      1. Ich glaube die Entwicklung in Bezug auf Piper ist gerade so gewollt. Sie wird im Laufe der Serie immer mehr von ihrem zu Beginn noch recht hohen Ross runtergeholt und während sie anfangs eher noch vermitteln wollte, dass sie ja so überhaupt nicht in die Gefängniswelt passt wird immer mehr klar, dass sie eben schon Züge an sich hat, die rechtfertigen, dass sie in so einer Lage ist. Mich hat auf Dauer gestört, dass sie sich wirklich ständig selber in irgendeinen Mist reinreitet, meistens wegen Alex. Manche Situationen hätten echt vermieden werden können aber die Sendung muss natürlich auch irgendwie spannend bleiben.

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